Ein uriges Bergtal, wunderschöne Wanderwege und reiche Flora und Fauna findet man im Tal der Falschauer. Und weil die OrtsgruppeTraunreut auch immer hoch hinaus will wählte sie als Ausgangspunkt für ihre 13. Wandertourenwoche St. Gertraud im Ultental. Das auf 1.519 Metern hoch gelegene Dorf eignet sich hervorragend zur Erkundung des Nationalpark Stilfser Joch.
„Zum Beine vertreten“ nach der stundenlangen Fahrt führte die erste Wanderung entlang des „Ultner Höfeweges“. In leichtem Auf und Ab geht es durch Wald und Wiesen von Hof zu Hof. Es ist sehr beeindruckend, wie die Eigentümer der Höfe bemüht sind den ursprünglichen Charakter dieser jahrhundertealten Bergbauernhöfe zu erhalten. Unterwegs treffen wir auch auf die Ultner Urlärchen. Diese von Sturm und Wetter gezeichneten und bis zu 28 m hohen Bäume und gehören zu den ältesten Nadelbäumen Europas. Auf dem Rückweg entdecken wir den gelben Eisenhut und das verführerische Rot der Walderdbeeren leuchtet uns entgegen.
„Dieser Weg wird kein leichter sein“! so geht es uns am nächsten Tag durch den Kopf beim Anblick des 3.257 m hohen Hasenohr, dem östlichsten Dreitausender des Ortlergebiets. Losgegangen wird, nach ausführlicher Tourenbesprechung am Vorabend mit unserem Tourenbegleiter Gottfried, von der Kuppelwieser Alm und mit einer Gehzeit von 4-5 Std. bis zum Gipfel, bei der 1.280 m Höhe zu überwinden sind, ist es eine anspruchsvolle Hochgebirgstour. Der Anstieg treibt uns die ersten Schweißperlen auf die Stirn und die Luft wird langsam immer dünner als wir auf ungefähr 2.600 m an den Überresten eines Jochwaals vorbeikommen. Die Bauern im VinschgauerTal hatten schon immer mit der Wasserknappheit zu kämpfen. Darum wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts der ursprünglich 2500 m lange Tarscher Jochwaal gebaut, der das Wasser aus dem Ultental über das Latscher Jöchl auf die Vinschgauer Seite leiten soll. Ab hier beginnt auch das felsige Gelände und es ist ratsam, die Trekkingstöcke einzupacken da die Hände für den guten Halt verwendet werden müssen. Die Gruppe steigt den gut markierten Weg entlang dem Nordostgrat. Das Ziel ist schon seit geraumer Zeit in Sicht, doch der Steig zieht sich. Nach gut 4 Stunden ist es endlich geschafft. Am Gipfel erwartet die 20 Bergbegeisterten aus Traunreut eine weite, befreiende Bergwelt. Wir lassen unsere Blicke vom Ortlergebiet, über die Ötztaler Gletscher, weiter zur Texelgruppe und den Sarntaler Alpen schweifen. Weit hinten am Horizont lassen sich die Zillertaler und die Hohen Tauern erahnen. Diesem Hochgenuss des Sehens machen dunkle Wolken die sich vor die Sonne schieben und kalter Wind schnell ein Ende und wir kehren auf dem gleichen Weg wieder zur Kuppelwieser Alm zurück. Müde und froh, aus den nicht gerade angenehm duftenden Bergschuhen raus zu dürfen erreichen wir unsere Unterkunft. Nach einem geschmackvollen Abendessen legen wir uns zur Ruhe bis uns die Strahlen der aufgehenden Sonne am nächsten Morgen wecken.
Die Beine sind noch schwer vom vorangegangenen Tag und die Gelenke steif als wir in unsere Bergstiefel schlüpfen um den 2.957 m hohen Gleck zu erklimmen. Die Wanderung beginnen wir vom Parkplatz Weissbrunn. Wir steigen durch mächtige Wälder auf der Schattenseite des Tales bis zur ersten Wiese. Weiter gehen wir über das lange Hochtal von Oberweissbrunn. Unser Weg wird begleitet von rauschenden Bächen, rosablühenden Almrausch, violetten Bergastern und leuchtend gelben Alpenblumen jeder Art. Eine Herde weidender Haflinger am glasklaren Langsee mit Blick zu den Eggenspitzen verstärkt in uns das Gefühl von Ruhe und Frieden. Der letzte Teil der Gleckspitze ist steil aber nicht gefährlich. Das Panorama ist herrlich. Um uns herum zeigen sich die Brenta und die Ortler Gruppe und das Hochplateau „auf die Plöder“. Der Abstieg erfolgte über den Aufstiegsweg mit einem Abstecher auf die Fiechtalm wo uns ein kühles Bier erwartete. An diesem Dienstag, vor dem Abendessen versammelte sich die Gruppe in der Pfarrkirche St. Gertraud. Die Kirche ist im 14. Jahrhundert entstanden und wurde im 17. Jahrhundert aufwendig umgebaut. Vor dem mit 4 Säulen gebildeten Altar dankten wir für die gelungene Wanderwoche in der wir auf das gegenseitige Vertrauen bauen konnten und gedachten den verstorbenen Bergfreunden der DAV- Ortsgruppe Traunreut. Die Andacht wurde von den Mitgliedern der Traunwalchner Sänger begleitet. Sie sorgten auch während der Touren und am Abend beim gemütlichen Beisammensein für den musikalischen Rahmen.
Bevor man die Ortschaft St. Walburg verlässt, gleich nach dem Zoggler See, fahren wir in endlos erscheinenden Schleifen bis zum Hof Gigglhirn. Von hier beginnt unsere Wanderung auf den 2540 m hohen Peilstein. Es ist unser vierter Wandertag in der Ortlergruppe. Wir gehen durch lichten Lärchenwald entlang des Marschnellbaches bis wir die Almfläche erreichen. Wir nehmen das rauschen des Wassers, den Duft des Waldes und die Farben der Alpenblumen wahr. Besondere Aufmerksamkeit erregt der gelbe hochgewachsene Enzian. Der Weg wird weniger steil als am Anfang und wir gelangen schnell zur Marschnell Alm wo uns der Wirt mit den Klängen aus seiner Trompete begrüßt. Mit dem Versprechen, nach dem Gipfelsturm bei ihm einzukehren wandern wir entlang an trocken aufgesetzten Steinmauern weiter. Bereits in der Nähe des Gipfels wird der Blick frei über das Hochjoch ins Etschtal und die Sarntaler Berge und im Hintergrund grüßt das Hasenohr. Das Gipfelkreuz des Peilstein ist etwas nach unten versetzt, was ein paar Mitglieder der Ortsgruppe zu der Bemerkung veranlasste, das es schon ungewöhnlich ist, wenn man zum Gipfelkreuz abwärts gehen muss. Nachdem wir die Aussicht in das Ultental und dem Ilmenkamm genossen haben machten wir uns mit einem abschließenden Berglied an den Abstieg zur 300 m tiefer liegenden Marschnell Alm. Gestärkt mit einer zünftigen Brotzeit die mit den Liedweisen der Traunwalchner Sänger begleitet wurde, und schönen Ausblicken ins Ultental beendeten wir diese tagesfüllende Tour.
Nach einem guten Frühstück machen wir uns am letzten Tag der Wanderwoche auf den Weg ins Kirchbergtal. Wir lassen uns von den tief hängenden Wolken und dem leichten Nieselregen nicht abhalten und mit Regenkleidung und Regenschirm bewaffnet machen wir uns auf den Weg. Vom Kirchplatz St. Gertraud folgen wir dem Wirtschaftsweg bis zur Abzweigung Seefeldalm. Einige Mountainbiker, die auf dem Weg über die Alpen sind überholen uns. Der Pfad zur Seefeldalm führt uns wie an den vergangenen Tagen an Hängen mit blühendem gelben Enzian und Almenrausch entlang. Bei der nicht bewirtschafteten idyllisch gelegenen Berghütte angelangt zeigte sich die Sonne und wir legten eine kleine Rast ein bevor wir über naturbelassene Wiesen und einem Steig hinuntergingen zum Kirchberg Alm Kaser. Mit Südtiroler Wein und einer letzten Almbrotzeit in gemütlicher Runde wurde die Wochentour der DAV-Ortsgruppe Traunreut beendet.
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